Malprojekt gegen Rechts

"Gegen Rechts" lautet der Titel eines monumentalen, 12x2,10 m großen Bildes, das seinerzeit auf Leinwand im Atelier "Löwenherz" in der Wetzlarer Friedenstraße 26 als Kunstobjekt der Wetzlarer Arbeitsloseninitative (WALI) gemeinsam mit einigen jungen Leuten der Lebenshilfe Wetzlar/Weilburg entstand.
Für die "künstlerische Leitung" konnte der Wetzlarer Zeichner, Grafiker und Illustrator Peter Atzbach gewonnen werden.


Die Idee für das Projekt entstand in der Vorbereitung der Wetzlarer Maikundgebung 2000 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die zugleich Protestkundgebung gegen eine geplante NPD-Veranstaltung in der Domstadt war. Auch die WALI beteiligte sich seinerzeit an der DGB-Kundgebung und hatte ihren Stand unter ein Goethe-Zitat gestellt: "Das Land, das die Fremden nicht schützt, geht bald unter". Dieses Bekenntnis sollte in der künstlerischen Darstellung auf der großen Leinwand ausdrucksvoll umgesetzt und als ein möglichst dauerhaftes Zeichen des Protestes öffentlich gezeigt werden.

 

Redebeitrag Susanne Sievers, VS WALI

Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist Susanne Sievers und ich bin die Vorsitzende der Wetzlarar Arbeitsloseninitiative, kurz WALI.
Auf diesem Wege erlauben wir uns, Sie zu einer außergewöhnlichen, aber in heutiger Zeit sehr angemessenen und notwendigen, Veranstaltung zu begrüßen.
In den letzten Wochen und Monaten haben sich Mitglieder eines Kreativprojekts der WALI und Mitglieder des „Atelier Löwenherz“ der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg e.V. zusammen mit dem Wetzlarer Künstler Peter Atzbach mit dem Themenkreis „Fremdenfeindlichkeit und Rechte Gewalt auseinander gesetzt.
Im Rahmen dieser Arbeit ist ein Gemälde entstanden, das die Diskussionen, aber auch die Position der Teilnehmer/innen in dieser Frage widerspiegelt.
Das Bild (Acryl auf Leinwand) hat das Format 10,04 mal 2,10 Meter.
Die Akteure reihen sich ein in die Aktionen, die derzeit bundesweit umgesetzt werden (z.B. die Aktion „Gesicht zeigen“, „Aufstand der Anständigen“, etc.) und verstehen ihr Gemälde auch als einen Beitrag zur „Aktion gegen Rechts“ der Wetzlarer Neuen Zeitung.
So ist es zu verstehen, dass sie die Räumlichkeiten der WNZ nutzen möchten, um das Gemälde erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren.
An dieser Stelle herzlichen Dank an die Verantwortlichen der WNZ, die uns für diesen heutigen Termin die Räume zur Verfügung gestellt haben.
Ich möchte ihnen nun diejenigen Vorstellen, die sich bereit erklärt haben, an diesem Pressetermin teilzunehmen und die Ihnen heute für Ihre Fragen zur Verfügung stehen:
♦  Zunächst natürlich die TeilnehmerInnen unseres Malprojekts von WALI und Lebenshilfe sowie den Wetzlarer Künstler Peter Atzbach, den wir für die künstlerische Leitung gewinnen konnten.
♦ Darüber hinaus Mitglieder und VertreterInnen der WALI
♦ Und schließlich diejenigen, die mit Ihrer Hilfe dazu beigetragen haben, dieses Projekt zu finanzieren. Ich begrüße herzlich den Superintendenten der ev. Kirche, Herrn Kunik, den Vertreter des kath. Bildungswerkes, Herrn Dr. Roland Mierzwa und die Vertreter der Gewerkschaften, den ersten bevollmächtigten der IG Metall, Herrn Klaus Lohnstein und Frau Anna Wabel, Vorsitzende des DGB Ortskartell Wetzlar.
♦Ich begrüße an dieser Stelle herzlich den Vertreter des Magistrats, Herrn H.P. Greis und den Leiter des Kulturamts, Herrn Gerner.
 
Zuvor möchte ich an dieser Stelle noch einige Überlegungen vorstellen, die in einen gemeinsamen Aufruf der Initiativen aus Hessen und Thüringen einfliessen sollen und die z.T. An unser Goethe Projekt anknüpfen.
Von Goethe selbst möchte ich hier folgende Zitate nennen, in denen er über den Umgang der Nationen untereinander schreibt:

„Unser Leben führt uns nicht zur Absonderung und Trennung von anderen Völkern, sondern zum größten Verkehr“ (zu Riemer, 1806).

„Überhaupt wäre es zu wünschen, daß die Deutschen, die soviel Gutes leisten, indem sie sich das Gute fremder Nationen aneignen, sich nach und nach gewöhnten, in Gesellschaft zu arbeiten“ (zur Farbenlehre).

„Beim Zerstören gelten alle falschen Argumente, beim Aufbauen keineswegs. Was nicht Wahr ist, baut nicht“.

Trotzdem bleibt Goethe Optimist. Zu Eckermann sagt er:

„Ich halte es für wahr, daß die Humanität endlich siegen wird“.

Seit dem gemeinsamen Goethe Projekt von Arbeitsloseninitiativen aus Hessen und Thüringen in Weimar haben uns die aktuellen Gewalttaten einmal mehr darauf gestoßen: Zwischen uns und Weimar liegt Buchenwald. Wir wenden uns deshalb an dieser Stelle öffentlich und gemeinsam gegen Rechts. Wir möchten mit unseren Aktionen dazu beitragen, dass das politische Leben in Deutschland und die geistigen Werte von Aufklärung und Vernunft keinen Widerspruch mehr darstellen. Wir treten ein für ein tolerantes und weltoffenes Deutschland, in dem für Rechtsextremismus und Rassismus kein Platz ist.

Wir rufen auf für mehr Solidarität und Beschäftigung, gegen Neonazis und rechtsextreme Politik.
Wetzlar, Oktober 2000

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