Buß- und Bettag Theateraufführung

WALI bringt Tile Kolup in Niedergirmes auf die Bühne

Arbeitsamt vermittelt Job als Kaiser

Wetzlar (lr). Im 13. Jahrhundert hat sich der Bettler Tile Kolup in Wetzlar als Kaiser Friedrich II. ausgegeben. Zunächst umjubelt, wurde er zwei Wochen später zum Tod verurteilt und hingerichtet.

Wie kam der Bettler dazu, den 25 Jahren zuvor verstorbenen Kaiser zu mimen? Die Arbeitsloseninitiative im Lahn-Dill-Kreis WALI hat darauf eine ungewöhnliche Antwort gefunden: Im Jobcenter hat man ihm die Aufgabe aufgedrängt.

 





Als der Bettler den Job ablehnen will, droht die Beraterin: "Ihre Überzeugung wird Ihnen ja die Sperre wert sein". Immer wieder holt das einstündige Theaterstück die Geschichte des Tile Kolup hervor, um mit der historischen Person zugleich Kritik an der Gegenwart zu verbinden.

So kommen die Themen Reichtum und Armut, Macht und Ohnmacht durch die Historie ungewohnt auf das Publikum zu. Bereits 2002 hatte die WALI das Theaterstück im Rahmen eines Kulturprojektes unter Leitung von Schauspieler Erich Schaffner aufgeführt. Jetzt übernahm Schaffner erneut die Aufgabe, aus Klientel und Mitarbeitern der WALI eine Theatergruppe zu formieren. Und die zehn Schauspieler lebten ihre Rollen.

Als 1285 König Rudolf und der Erzbischof von Köln mit ihren Heeren vor Wetzlar zogen, lieferten die Bürger den falschen König aus. Am 7. Juli wurde er als Ketzer verbrannt. Die Autoren des Theaterstückes können nicht mit dem unrühmlichen Ende leben. Deshalb endet das Stück damit, dass der Bettler im Kaisergewand schließlich belohnt wird und viele gute Tage erlebt.

Das Publikum hat sich mit kräftigem Applaus für die Aufführung bedankt. Die rund 120 Besucher wurden von der Leiterin des Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Marion Schick, begrüßt. Stadträtin Bärbel Keiner-Kane (SPD) überbrachte die Grüße der Stadt Wetzlar und des Magistrats. Ferner dankte sie der WALI für ihr Engagement.

Reichtum und Armut

Die 1989 gegründete Arbeitsloseninitiative hat im Lahn-Dill-Kreis mehr als 250 Menschen in Beschäftigungsmaßnahmen oder begleitet sie in Ausbildung oder Therapie.

Sozialdezernent Günther Kaufmann-Ohl (Bündnis 90/Grüne) sprach sich in einer Veranstaltung in der Christuskirche für die Einführung des Mindestlohnes aus. Es müsse möglich sein, dass Menschen von dem Einkommen leben, das sie durch ihre Arbeit erwirtschaften. Er wies darauf hin, dass der Kreis ab Januar Langzeitarbeitslose in Eigenregie betreut. Er erhoffe sich, Arbeitslose besser motivieren und integrieren zu können.
 
Originaltext entnommen aus mittelhessen.de
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