„Gruppe eins: Bildung als Strafe“ Projekt mit straffälligen Jugendlichen aus dem LDK

Kurzbeschreibung des Projekts
Die Erfahrung des Vereins und die Auswertung von Modellprojekten (u.a. „Mit Kreativität und Eigeninitiative zum Wiedereinstieg in das Berufsleben“) zeigen, dass niedrigschwellige und kreative Angebote besonders im Rahmen von Kulturprojekten geeignet sind, Erwerbslose zum Lernen zu motivieren und den Kontakt zum ersten Arbeitsmarkt wieder herzustellen. Im Projekt soll ein vielschichtiges Theaterstück mit einer Gruppe von bildungsfernen Jugendlichen umgesetzt werden.


Leider ist dieser Personenkreis in den bisherigen Kulturprojekten kaum in Erscheinung getreten. In dem hier beantragten Projekt sollen diese problembelasteten Gruppen in die große Konzeption eines Kulturprojektes integriert werden.
Das Theaterprojekt ist dabei keine Freizeitbeschäftigung, sondern versteht sich als eigenständiger methodischer Ansatz unserer Arbeit. Dabei wird bewusst an die Stärken der jungen Erwachsenen angeknüpft, unabhängig von ihrer bisherigen beruflichen Qualifikation und Kompetenz. So wird nicht nur Schauspielwissen vermittelt. Viel mehr werden den Teilnehmern neben dem Arbeiten im Team eine Vielzahl von Berufsbildern näher gebracht: angefangen beim Catering, über das Bühnenbild, die Dramaturgie, den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und viele andere Arbeitsfelder mehr.

Die ersten Schritte
Eine Säule des Kulturprojektes ist der Bildungsgedanke. Erwerbslose sollen in diesem Rahmen die Möglichkeit zur Fortbildung, zum Qualifikationsausbau und –erhalt bekommen. Entscheidend ist dabei aber, wie Bildung verstanden wird: denn Bildung ist mehr als erlernbares Wissen. Es ist uns wichtig, dass die Betroffenen lernen, dass wir trotz Erwerbslosigkeit ergebnisorientiert arbeiten. Mit festen Zeiten bis zur Premiere des Schauspiels ebenso, wie in festen Rahmenbedingungen der internen sowie externen Vernetzung: mit der eigenen Werkstatt, die ein Bühnenbild entwirft und umsetzt, oder z.B. mit dem Kulturamt der Stadt bezüglich verschiedener Präsentationen.

Akteure des Projekts
Straffällige Jugendliche, Ehrenamtliche, arbeitslose Jugendliche, sozialpädagogische Fachkräfte der WALI

Zielgruppe und Problemstellung
In der WALI leisten jährlich zwischen 20 und 30 verurteilte Personen gemeinnützige Arbeitsstunden ab. Diese – meist jungen – Menschen, werden durch die Gerichte zugewiesen. Im Moment ist der Anteil der Jugendlichen unter 25 Jahren von 15 % (im Jahr 2009) auf über 40 % im letzten Jahr gestiegen.
Die Erfahrungen haben gezeigt, dass alle Teilnehmer massive Probleme mit Schule und Ausbildung haben oder sich generell dem Themenkreis Bildung verweigern. Die Absprachen mit dem Amtsgericht Wetzlar gehen dahin, Wege für diese Menschen zu finden, die das Problem grundsätzlicher lösen können. Es ist den Gerichten und der Staatsanwaltschaft ein besonderes Anliegen, für diese jungen Menschen Perspektiven zu schaffen. Soziologisch betrachtet, kommen diese Jugendlichen meist aus bildungsferneren Schichten. Nicht mehr allein Hilfs- und Zuarbeiten sollen daher im Mittelpunkt der Strafe stehen, sondern die Teilnahme an Kultur- und Bildungsarbeit. Die Gesamtüberschrift könnte lauten: „Bildung und Lernen als Strafe“ (und als Beitrag zur Resozialisierung und Eröffnung einer beruflichen Perspektive).